
Die Geschichte der Schafzucht in Neuseeland ist lang: Die ersten Schafe erreichten den Inselstaat im frühen 18. Jahrhundert mit britischen Siedlern. Bald gesellten sich weitere Tiere aus Großbritannien und Australien hinzu. 1858 gab es bereits 1,5 Millionen Schafe in Neuseeland, heute sind es fast 35 Millionen.
Auf den beiden Hauptinseln gibt es bedeutende Schafzuchtgebiete. Etwa die Hälfte des Landes – 11 Millionen Hektar – sind Weideland, von denen über 9 Millionen als Weideland für Schafe und Rinder genutzt werden. Auf der Nordinsel grasen Schafe und Rinder Seite an Seite im zentralen Hügelland, an der Ostküste und ganz im Süden der Insel. Auf der Südinsel weiden große Herden auf tausenden von Morgen der Canterbury Plains, in Otago und Southland, wo die großen Zuchtfarmen mit ihren offenen Weiden angesiedelt sind.
In Neuseeland gibt es insgesamt ca. 13.000 kommerzielle Schaf- und Rinderfarmen, die meisten von ihnen befinden sich in Familienbesitz und sind auf Viehzucht spezialisiert. Die Durchschnittsgröße einer Farm beträgt 4.200 Einheiten*.
* Eine Einheit entspricht der jährlichen Futtermenge für ein Schaf.
Methoden der traditionellen Landwirtschaft
In Neuseeland ist die Natur zu Hause. Endlose grüne Weidelandschaften bieten hervorragende Bedingungen für die Viehzucht. Kein Wunder, dass das Land manchmal als die größte Farm der Welt bezeichnet wird.
Dank des gemäßigten Klimas können die Schafe das ganze Jahr über auf der Weide bleiben. Anders als in Europa, wo die weiblichen Tiere zur Geburt ihrer Lämmer in den Stall gebracht werden, werden die Lämmer in Neuseeland draußen geboren. Wenn die Lammzeit naht, behalten die Farmer ihre Schafe gut im Auge und sind jederzeit bereit einzugreifen, falls Komplikationen auftreten. Die Lämmer bleiben bis zum Alter von drei Monaten bei ihren Müttern. Dann werden sie entwöhnt und auf gehaltvolle Wiesen gebracht.
Die Neuseelandlämmer bewegen sich frei auf großen Weideflächen und ernähren sich von zartem Gras und weißem Klee, deren hoher Stickstoffgehalt eines der Erfolgsgeheimnisse neuseeländischer Farmer ist. Im Winter erhalten die Tiere zusätzlich Heu und Grassilage. Die Schafproduktion in Neuseeland geschieht im Einklang mit der Natur und dem Wohlergehen der Tiere. Pflanzen und Tiere werden so natürlich wie möglich behandelt und gefüttert, um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden und eine maximale Produktivität zu erreichen.
So verwenden neuseeländische Landwirte zum Beispiel keine Antibiotika zu vorbeugenden, nicht-medizinischen Zwecken. Auch Wachstumshormone werden in der Lammproduktion nicht eingesetzt. Der Einsatz von Düngemitteln wird durch eine sorgfältige Überprüfung der Bodenfruchtbarkeit auf ein Minimum beschränkt.
Diese günstigen Bedingungen wirken sich sehr positiv auf die Viehzucht aus und helfen, die Fleischproduktion auf einem konstant hohen Niveau zu halten.
Ein Großteil der Fleischexporte von Neuseeland nach Europa erfolgt in den Monaten Dezember bis Mai. Die neuseeländische Lammfleischproduktion ergänzt die europäische also vor allem im Winter und befriedigt die Marktnachfrage nach Lammfleisch, wenn die Produktion in Europa auf dem Tiefstand ist.